17.08.2018

Polit-Jargon, der nicht ├╝berzeugt

CDU-Mann Kretschmer im ZDF-Morgenmagazin

Michael Kretschmer hat ein Problem. Seine Sprache besteht zu 100% aus dem substantivierten Politik-Jargon der siebziger Jahre. Wie wirkungslos Auftritte mit dieser in die Jahre gekommenen Rhetorik-Software bleiben, das hat er gerade im Morgenmagazin bewiesen.

Wer ihn nicht kennt: Der Mann ist Ministerpr├Ąsident in Sachsen. Seine CDU war bei der vergangenen Wahl schon nur noch zweitst├Ąrkste Kraft. Nach der AFD. Und alle Umfragen zeigen: W├╝rde jetzt wieder gew├Ąhlt, w├Ąre die AFD so stark, dass nicht mal seine demokratische Not-Koalition halten w├╝rde.

Der Mann hat also wirklich Not. Und – zum Gl├╝ck – eine Vision. Er m├Âchte der AFD die W├Ąhler ausspannen. Dazu gibt es in Sachsen B├╝rger-Dialoge. Keine schlechte Idee. Und der Mann ist im Fernsehen. Im Morgenmagazin. Also: Feuer frei f├╝r alle Geschichten, mit denen er die Verunsicherten und gef├╝hlt ÔÇÜAbgeh├ĄngtenÔÇś gewinnen kann! #Denkste!

Die Inhalte seines Interviews, kurz zusammengefasst: Kritische Bestandsaufnahme, Probleme, Fl├╝chtlingsfrage, L├Ąndlicher Raum, Ergebnisse, Leistungen, Strukturentwicklung, Personalschl├╝ssel, politisches Spektrum, Positionen, Marktwirtschaft, Sicherheit, Mehrheiten, vergangene Jahrzehnte, Wahlprogramme, Inhalte, Partei, Diskussion, Bundestagswahl, Koalitionsvertrag, Spekulationen, Meinung.

Also: 1000 Kilo Substantive. S├Ąckeweise Programmatisches. Immer nur Rechtfertigung. Keine Geschichten. Keine Menschen. Keine Perspektive. Keine Stories. Keine Verben. Nichts Lebendiges. Viel zu viel ÔÇÜichÔÇś und kein ÔÇÜihrÔÇś. Kurzum: F├╝r einen Politiker eine rhetorische Bankrotterkl├Ąrung.

Gegen soviel grausamen Polit-Jargon hat ein Gauland wohl selbst ohne Antworten (ZDF) noch alle Chancen.

Liebe Sachsen-CDU: Schaut euch mal an, wie der Biedenkopf das seinerzeit gemacht hat. Mit K├ÂnigsÔÇôAttit├╝de. Klar. Aber in Herz, Haltung und Sprache immer bei den Menschen.

Oder wie es Gei├čler sinngem├Ą├č in seinem letzten Interview gesagt hat: Wir k├Ânnen die Menschen nur mit Geschichten gewinnen. Merkt Euch das!

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